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Leben in Zeiten von Corona

by Claudia

In Zeiten von Corona ist plötzlich nichts mehr so wie es war. März 2020, Freitag der 13. Ein Tag, den vermutlich viele Schweizer (und auch andere) nicht mehr so schnell vergessen werden. Nachmittags um 16 Uhr informierte der Bundesrat über die neusten Corona-Massnahmen. Kurz vor 17 Uhr war klar, die Schulen bleiben bis sicher 4. April 2020 geschlossen (kurz darauf auf nach den Osterferien den 26. April 2020 verlängert), gearbeitet wird im Home Office – wer kann. Was für die einen «ja endlich» war, war für viele, insbesondere uns Mütter, ein «neeiiiinnnnn». Willkommen in Zeiten von Corona!

Schockstarre

Ja ich gebe zu, auch ich habe so reagiert. Der Schock sass knochentief. Ich brauchte ein paar Tage, bis ich den verdaut habe.  Es ging nicht darum, dass ich den Entscheid nicht verstehen und nachvollziehen kann, nein ganz und gar nicht. Es ging einzig und alleine um mich. Was heisst das für mich? Für mich ganz alleine? Was heisst das auch für uns als Familie. Der Gedanke meine Kids soo lange zu Hause zu haben, damit war ich grad überfordert. Die Sommerferien sind für mich ja schon immer eine Challenge. Ich bin ein freiheitsliebender Mensch und brauche meine Auszeiten. Nun plötzlich meine Kinder 24/7 Stunden zu Hause haben, das aber im Zustand von «alles ist geschlossen» (damit doppelte ja der Bundesrat eine paar Tage später nach), das hat mir regelrecht auf den Magen geschlagen. Ich schwöre es dir, ein Gedankenkarussell par excellence in meinem Kopf die ersten Tage.

Noch voller Hoffnung und Plänen

Rückblick. An diesem sonnigen Freitag den 13. sah der Tag für mich vorerst noch ganz normal aus. Meine Kids gingen morgens um 8 Uhr aus dem Haus und zur Schule, resp. in den Kindergarten. Bis 12 Uhr hatte ich Zeit zu arbeiten. In den Tagen zuvor habe ich eine wichtige und auch strategische Entscheidung für mein Business gefasst. Mein Tagesziel für diesen Freitag den 13 war, ein 6 Wochen Ziel und Plan für meinen gefassten Entscheid zu schreiben. Um kurz vor 12 Uhr hatte ich ihn. Einen groben, wenn auch teils schon detailierten 6-Wochenplan. Voller Motivation und Energie war ich und optimistisch genug, dass zu schaffen.

Keine 5 Stunden später aber dann das “Bähm”! Der Entscheid vom Bundesrat. Einstellung des Präsenzunterrichts bis mindestens nach den Frühlingsferien, 26.04.2020. Ja, ich war sprachlos. Das sind genau 6 Wochen. Diese 6 Wochen wo ich mir so viel vorgenommen habe. Hmm…. Das Leben in Zeiten von Corona hat begonnen.

Leben in Zeiten von Corona - mit Plan

Leben in Zeiten von Corona – mit Plan

Und jetzt?

Was hiess das nun? Für das Land, für uns als Familie, für mich als Mutter, mich ich als Ehefrau, für mich persönlich? Aber auch für mich als Tochter, für mich als Freundin, für mich als Selbständige…. Fragen über Fragen stellten sich in meinem Kopf. Auch meine Töchter haben bei der Medienkonferenz mitgeschaut. Verstanden haben sie sicher nicht alles, aber eines haben sie verstanden: Für mindestens 6 Wochen (inkl. Ferien) keine Schule und Kindergarten. Gefreut haben sie sich nicht! Ihnen verging auch grade ein bisschen das Lachen. Auch ihnen gingen Fragen durch den Kopf. Sie stellten Fragen, die weder ich und Papa in dem Moment beantworten konnten. Gefangen in der Unsicherheit und in der Überforderung dieser Situation haben mein Mann und ich erst einmal eine Aperol getrunken.

Kommt Zeit, kommt Rat – auch in Zeiten von Corona

Und so war es auch. Knappe drei Wochen sind vorbei. Und ganz ehrlich, unser Leben in Zeiten von Corona läuft besser als erwartet, regelrecht entspannt – mit kleinen, aber wirklich nur kleinen Ausnahmen. Anfangs aber ganz und gar nicht. Auch war unser Start in diese offizielle Stay-at-home-Zeit eher holperig. Meine kleine Tochter hat schon am ersten Tag der Bleib-zu-Hause-Zeit Fieber und Husten bekommen. Du willst nicht wissen, was einem da plötzlich für den Gedanken durch den Kopf gingen. Auf Grund ihres Alters wurde sie aber nicht getestet und wir waren in der Ungewissheit.

Zum Glück war nach drei Tagen klar, es muss eine Grippe sein, denn hinzu kam Schnupfen. Aber dennoch, ich bin kein Arzt und stelle hier nur Vermutungen auf. Für uns hiess das jedoch in Selbst-Quarantäne zu gehen, so wie es auch der Bund vorschreibt. Knappe zwei Wochen blieben wir also brav zu Hause und vermeideten Kontakt zu anderen. Die grosse Schwester hat das anfangs überhaupt nicht verstanden “aber ich bin doch gesund”, “ich will raus” und polterte nur rum. Wir konnten uns glücklich schätzen einen Garten zu haben, um wenigstens frische Luft und etwas Auslauf zu bekommen.

Das Wort Auslauf, wenn ich das jetzt schon nur höre. Aber nach 10 Tagen fehlte mir echt die Bewegung (obwohl ich fleissig Sport auf dem Hometrainer machte und auf dem Trampolin aktiv war). Übrigens, bisher eine der besten Corona-Investitionen dieses Indoor-Trampolin.  Ein paar Schritte im Garten ist absolut nichts, im Vergleich zu einem Auslauf ausserhalb des Garten, des Hauses und der Strasse. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das persönlich so Mühe bereitet. Und dann noch kein sozialer persönlicher Kontakt. Schon speziell, sehr speziell. Zum Glück leben wir 2020 und FaceTime und Skype war unser täglicher Kommunikationskanal. Auch die Kids haben Gefallen daran bekommen und tauschen sich seither mit ihren Freundinnen aus. Und so hat es dann auch die ältere Tochter verstanden und akzeptiert.

Home Schooling 

Unser Leben in Zeiten von Corona sah nun plötzlich anderes aus. Unsere neue Aufgabe, insbesondere meine neue Aufgabe, war das Home Schooling. Zum Glück haben sich die Kids regelrecht auf ihre Hausaufgaben gestürzt und sich über die Arbeit gefreut, also wir diese bekamen. Trotzdem, ganz so einfach war dann doch nicht alles. Zwei Kinder gleichzeitig zu unterrichten, eine im Kindergarten, der noch alles vorgelesen werden muss und Hilfe braucht, und die Grössere, die zwar schon Lesen und Schreiben kann, aber noch Unterstützung braucht, das war eine Challenge.

Hinzu kam: “Wieso hat sie nur so wenig Hausaufgaben”, “wieso muss sie immer nur basteln”, “wieso hilfst du immer nur ihr?” ,”ich weiss nicht wie das geht”, “kannst du mir bitte helfen?” waren so die Standardsätze der ersten Tage. Mein Vormittag war nebst schlichten und diskutieren im Replay-Modus prall gefüllt mit Mathe-Deutsch-Schreib-Lese,-Bastel-Sing-Sport- und Logopädie Unterricht. Wer hätte gedacht, dass ich das mal werde.

Als ich am Anfang der zweiten Woche mit meiner Tochter Musikaufgaben machen musste und ihr Notenschlüssel erklären sollte, da bin ich jedoch regelrecht explodiert. Kennst du das Video der israelischen Mutter, die im Auto sitzt und laut losflucht… An diesem Tag war das 1:1 auch ich. Zum Glück bin ich wieder runtergekommen und habe mich beruhigt. Trotzdem sage ich mir, es kann nicht sein, dass ich meine Kinder zu Hause unterrichten muss, täglich einen halben Tag opfere und dabei zusehen muss, wie mein Business vielleicht baden geht. Aber wollen wir jetzt mal nicht so weit denken und es gelassen und positiv nehmen. Die Zeiten von Corona haben auch ihre guten Seiten.

Arbeiten mit Plan

Täglich habe ich versucht unseren Rhythmus und die Routine zu optimieren. Denn eines war klar, Routine, das brauchen meine beiden Kinder – auch in Zeiten von Corona. Wir mussten einen Plan machen, damit sowohl die Kinder wissen, wann Schule ist, wann sie sich selber beschäftigen müssen und dürfen und wann I-Pad und TV Zeit ist. Damit auch Mama und Papa wissen, jetzt müssen sie unterrichten, dann können sie oder muss gearbeitet werden, dann darf nicht gestört werden. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen und alles ist grosszügig gerechnet und nichts ist in den Stein gemeiselt. Aber seither ist Entspannung pur. Und für ein bisschen Me-Time reicht es auch noch.

Bis heute ging kein Tag vorbei, an dem die Kids gestreikt oder gemault haben. Sie machen immer mit – abgesehen mit ein paar kleineren Zwischenfälle.

Im Spagat von Home-Schooling und Home-Office

Und mein Business? Ja…. Gute Frage. Das ist so eine Sache. Meinen 6-Wochen-Plan (du erinnerst dich), habe ich begraben, bevor er angefangen hat zu gedeihen. Schon nach ein paar Tagen war mir klar, es wird schlicht unmöglich sein mich daran zu halten, dafür fehlt einfach die Zeit. Gearbeitet wird nur noch zwischen Tür und Angel und wenn, dann nicht länger als zwei Stunden am Stück. Einzig meine Coachings und sonstigen fixen Termine versuche ich wahrzunehmen (virtuell versteht sich). Anfangs habe ich schon mal ausgerufen, wenn ich merkte, mein Business kommt auf Grund Home Schooling zu kurz. Denn das ist definitiv der Fall. Aber inzwischen sehe ich es ziemlich gelassen. Ich mach was ich kann, setzte mich aber nicht unter Druck und lass mich nicht stressen.

Nach zweieinhalb Wochen im Leben von Corona hab ich für mich (nicht aufs Business bezogen) mehr erreicht wie im vergangen letzten halben Jahr. Ich habe wieder angefangen zu joggen. Hab wieder mit Meditation begonnen. Versuche seit der dritten Woche nun täglich Yoga zu machen. Gehe täglich bei uns auf dem Feld oder im Wald spazieren, entweder zusammen mit den Kids, oder alleine zwei Frauen. Seit Monaten sprachen wir davon uns auf einen Abendspaziergang zu treffen. Es musste erst Corona kommen bevor es tatsächlich mit einen gemeinsamen Walk geklappt hat.

selbstgemachter Zopf

Meiner erster selbstgemachter Zopf.

Ebenso habe ich meinen ersten Zopf gebacken, meine erste selbstgemachte Lasagne, habe endlich das Thema Buchhaltung in Angriff genommen, telefoniere wieder ziemlich viel und lese täglich. Lerne nach vier Jahren Nachbarn kennen, von denen ich nicht mal wusste, dass sie hier wohnen. Hab Gefallen daran bekommen um 5 Uhr morgens aufzustehen und kann bestätigen: Morgenstund hat definitiv Gold im Mund.

Der täglich morgentliche Terror mit den Kindern ist wie weggeblasen. Sie können sich plötzlich selber beschäftigen. Gehen alleine in den Garten und spielen friedlich für sich. Dass ich das noch erleben darf, hätte ich echt nicht gedacht. Unser Familienleben ist regelrecht entspannt geworden. Die Kids sind entspannt. Und ich bin es mittlerweilen wohl auch. Ganz ehrlich, diese Corona Zeit, ist grad das beste was mir (uns) passieren konnte. Ich fühl mich entspannt, motiviert und bin voller Energie.

Wie geht es weiter?

Und dennoch, ich fände es nach wie vor nicht toll, wenn es heisst, die Schulen bleiben bis Sommer geschlossen. Ich vermisse meinen Alltag. Ich vermisse es geregelt zu arbeiten. Ich vermute aber auch, nichts wird mehr so sein wie vorher. Ich denke auch an meine Kinder, was geht auf psychologischer Ebene in ihren Köpfen vor. Sie vermissen ihre Freundinnen, ihre Hobbys und ja, auch die Schule und den Kindergarten. Beide feiern im Mai Geburtstag. Der Gedanke, sie müssen den alleine mit uns Eltern feiern und nicht mit ihren Freundinnen, ihren Grosseltern…Ich glaub das blutet jeder Mutter das Herz. Und wenn es so wäre und wir alleine feiern müssen, es wäre ein Geburtstag den wir bestimmt alle nie vergessen werden.

Corona Krise = Chance?

Es ist nun so wie es ist. Lassen wir uns überraschen wie es weiter geht. Auf alle Fälle ist eines klar. Krisen sind gut. Jede Krise ist eine Chance. Nutz auch du diese Chance. Ich stand vor ein paar Jahren schon einmal in einer persönlichen Krise. Auch da hab ich die Chance ergriffen und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Ein Ergebnis davon ist dieser Blog.

Wir werden diese Zeit vermutlich nicht mehr so schnell wiederhaben, hoffe ich zumindest. Doch sollten wir alle das beste aus dieser Krise machen. Ich tu es. Für mich, für mein Business, für meine Familie. Du erinnerst dich an meinen 6-Wochen Plan? Ja der ist futsch, dafür hab ich mir ein Corona Ziel gesetzt.

Fertigstellung meiner neuen Website und Beginn meines neuen Blogs – Stay tuned 😉

Back to the Roots oder ein Neubeginn?

Wie auch immer, es bleibt auf alle Fälle spannend. Wie ist es bei dir? Wie läuft es in der C-Krise? Ich hoffe du bist gesund. Hast du ein Ziel? Woran arbeitest du gerade? Starte doch ein Blog? Ein Blog ergänzend zum Business? Vielleicht kannst du auf Grund der Epidemie gerade nicht arbeiten, wer weiss wie lange noch. Dann werde sichtbar und mach durch regelmässiges Bloggen auf dich und dein Business aufmerksam und halte so die Beziehung zu deinen Kunden aufrecht.

Du bist grad neugierig geworden? Einen Blog starten, du? Hier ein paar Facts dazu.  Schreib mir, ich helfe dir gerne.

Alles Gute, bleib gesund!

Bleib zu Hause.

Deine Claudia ♥

 

 

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2 comments

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2 comments

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SilviaR 16. April 2020 - 13:19

Man muss wohl aus jeder Situation das Beste daraus und es auch gleichzeitig als Chance auf etwas Neues verstehen , es hilft ja kein jammern. Mit ein Grund warum ich mich jetzt für ein Online Seminar für Yoga entschlossen habe. Wollte ich schon immer tun, immer kam irgendetwas dazwischen. Nehme ich gleichzeitig als meine persönliche Form der Entschleunigung

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Claudia 20. April 2020 - 11:20

Super 🙂 Ich habe auch wieder mit Yoga angefangen. Es tut so gut und wie du sagst, Jammer bringt nichts. Alles Gute dir, bleibt gesund.

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